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Contemporary African Art Collection by Jean Pigozzi

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''Ich liebe Brüste über alles'' - Von Eva Karcher, Welt Online
Playboy, Erbe, Paparazzo: Jean Pigozzi tut nur, was ihm Spaß macht - und sammelt Häuser, Frauen und sehr viel Kunst. Jetzt zeigt er in Grenoble eine Ausstellung mit japanischen und kongolesischen Künstlern. Ein Treffen mit dem Mann, der alles bekommt, was er will

Mr Limo ist ungeduldig, mag Menschen nicht, die zu viel rauchen oder trinken, und wirft jeden, der über die Musik auf seinem iPod meckert, sofort aus seiner Limousine. Dafür hat das Henkelohren-Maskottchen wie sein Erfinder Jean "Johnny" Pigozzi eine umso heftigere Zuneigung zu Bonbonfarben, wildem Mustermix und vor allem - Volumen. Denn Monsieur Pigozzi, der 1952 in Paris geborene Sohn des Turiner Autoindustriellen Henri Théodore Pigozzi, Gründer der in den 50er- und 60er-Jahren hochpopulären Marke Simca, ist ein Mann von stattlicher Statur und mit seinen Einmeterdreiundneunzig nicht gerade klein.

Wir sitzen im Gemeinschaftsraum des Magasin in Grenoble, der Kunsthalle, in der seine Ausstellung "Japancongo" stattfindet. Mr Limo ist so etwas wie Pigozzis Alter Ego und das Logo der Männermodemarke LimoLand, die er 2007 in New York gründete. "Ich hatte es satt, dass mir immer alle Hosen zu kurz waren und Jacken und Hemden zu eng." Heute trägt er ein himbeerfarbenes Polohemd, darüber einen grasgrünen Sweater, bedruckt mit dem stahlblauen "LL"-Monogramm und einen grünblauen Anorak. Seine "Straßenmode für reiche alte Männer", wie er sie nennt, verkauft sich prächtig. Sie war ein Coup.

Doch nur einer von vielen. Jean Pigozzi ist ein Ausnahmetalent. Sein Erbe von geschätzten 200 Millionen Euro investiert er seit vielen Jahren in IT-Firmen und seit Kurzem in Ökoforschung. Er entwirft die Kollektionen für seinen Laden. Als Fotograf seines Jet-Set-Lebens mit den Schönen, Reichen und Einfallsreichen stellt er in Museen aus, doch vor allem sammelt er - "crazy" - Häuser, Frauen und sehr viel Kunst.

Kurz, er tut, was ihm Spaß macht.

"Entscheidend ist, in allem professionell zu sein", sagt er mit einer Stimme zwischen Bass und Bariton, wie sie nur Männer seines Formats haben können. Mit dieser Maxime wurde er zum Sammler der weltweit größten Kollektion zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Nachdem Pigozzi 1989 André Magnins Ausstellung "Magiciens de la Terre" gesehen hatte, bat er den Kurator, ihm zu helfen, diese Kunst zu kaufen, die ihn faszinierte, weil sie so fremd war. Inzwischen besitzt er 10 000 Gemälde, Skulpturen, und Fotografien. Seine Lieblingsbilder, Werke von Cheri Samba, Pathy Tshindele, Seydou Keita, Malick Sidibé oder Bodys Isek Kingelez hängen in seinen Apartments in New York, Paris und London oder in der Villa Dorane in Cap d'Antibes zwischen Arbeiten von Cindy Sherman oder Francesco Clemente. Der größte Teil lagert in Genf.

"Pigozzi war einer der Ersten, der sich ins Abseits wagte, in die Peripherie der Nicht-Westkunst", meint Carsten Höller. Der 1961 in Brüssel geborene Künstler ist ein Bruder im Geist, arbeitet er doch im Grenzbereich zwischen Biologie, Verhaltensforschung und Kunst. Höllers Londoner Projekt "Double Club" fiel Pigozzi auf, weil hier in einem Environment aus Bar, Restaurant und Disco kongolesisches und westliches Design, dazu Kunst und Musik so schräg durchmischt waren. Den Sammler erinnerte das an einen engen Freund, den italienischen Designer Ettore Sottsass. "Ettore war für mich stilbildend", sagt Pigozzi. Fast alle seine Wohnungen habe er eingerichtet. "Stimmt", meint Höller, "Sottsass war der erste Appropriation-Art-Künstler, er verschmolz Volkskunst und Kitsch und internationalen Modernismus."

Für "Japancongo" entwickelte er eine spezielle Choreografie. Sie verkoppelt Pigozzis Afrikasammlung, genauer: Werke von 16 kongolesischen Künstlern, mit denen von 49, überwiegend sehr jungen japanischen Künstlern, die Pigozzi seit drei Jahren en masse sammelt. 500 Arbeiten sind es bereits. Umso niedergeschmetterter ist er über die apokalyptische Kombination aus Erdbeben- und Atomreaktorkatastrophe, die das Land seit über zwei Wochen heimsucht. "Was mich am meisten erstaunt, ist, wie stoisch und total mutig diese Japaner sind. Ich denke, dieses Unglück wird das Land stärker machen - und im Allgemeinen wird die Kunst nach einer großen Tragödie sogar besser." Mit seinen Künstlern korrespondiert er über E-Mail, "sie stehen unter Schock, aber zum Glück ist niemand ernsthaft betroffen".

Es war Japans größter Künstlerstar Takashi Murakami, der ihn anregte, die Gegenwartskunst des Kontinents zu sammeln. Am Anfang kaufte er Arbeiten von Klassikern wie Nobuyoshi Araki und Keiichi Tanaami, doch inzwischen konzentriert Pigozzi sich "auf die Generation ab 1980. Mich begeistert, wie vielfältig sie arbeiten, und wie viele Frauen unter ihnen sind. So wie Erina." Auf den Vernissagefotos steht sie oft neben ihm, ein zierliches Mädchen, das gerne schockfarbene Perücken und Schulmädchenkleidung trägt. Sie hat dabei ein krabbenartiges Spielzeugtier in der Hand. Ihre Selbstporträts sind schrill und grotesk.

Mit ihren und ähnlichen Arbeiten hat Höller nun in dichter "Petersburger Hängung" eine vierzig Meter lange, fünf Meter hohe Wand zugepflastert. Als Pendant hat er eine zweite Wand ebenso dicht mit Werken der kongolesischen Künstler behängt. Nur ein schmaler Gang bleibt. "Man soll den Aggressionspegel spüren, der beiden Kulturen gemeinsam ist, wie auch dieser etwas hysterische Surrealismus", sagt der Künstler. "In beiden Ländern gibt es Momente von Unterdrückung, politisch wie gesellschaftlich. Das war eine Entdeckung für mich."

Rund zehnmal war Höller in beiden Ländern. "Japaner und Kongolesen bewundern sich gegenseitig. Die Japaner lieben den kongolesischen Rumba, und die Kongolesen bewundern die japanische Mode. Das größte Kompliment dort, das man jemandem machen kann, ist, ihm zu sagen, er sei angezogen wie ein Japaner."

Das gefällt Jean Pigozzi. "So sieht die globale Ästhetik unserer Zeit aus." Wie hoch mag wohl der Wert seiner Afrika-Sammlung sein? Sein Lächeln verschwindet. "Darüber diskutiere ich nicht, weil ich nicht mit Kunst spekuliere. Aber glauben Sie mir, man braucht sehr viel Geld!" Umgekehrt braucht er die Kunst: "Das Einzige, was ich respektiere, ist Kreativität. Wissen Sie, was mich am meisten anturnt? Ein weißes Blatt Papier und ein Stift. Erst allmählich verstehe ich, warum die Leute so viel Geld für einen Warhol zahlen. Weil sie damit ein Stück seiner Kreativität kaufen!"

Pigozzi lernte Warhol während seiner Studienjahre in Harvard kennen. Er machte ihm klar, dass man kein Paparazzo zu sein braucht, um die Menschen unverkrampft, in Momenten ohne Posen zu fotografieren. "Ich hasse gestellte Fotos!" Seitdem er zwölf Jahre alt ist, und ihm sein Vater eine Leica schenkte, fotografiert er ununterbrochen. "Weil ich Legastheniker bin, führe ich ein visuelles Tagebuch."

Unzählige Schnappschüsse sind so entstanden, sie zeigen die Stars, seine Freunde, so gelöst wie selten: Michael Douglas, Steve Jobs, Diane von Furstenberg, Mick Jagger, Jerry Hall, Jack Nicholson, Larry Gagosian und viele andere, dazu viele schöne Mädchen. Es gibt aber auch andere Lieblingsmotive, Eisberge, Hunde (er selbst hat zwei Weimaraner, "dumm, aber schön") und immer wieder ausladende Dekolletés. "Ich liebe Brüste über alles, sie sind total süß und ungefährlich und man bekommt keine Krankheiten, wenn man sie küsst."

Pigozzis jüngste Passion gilt der Forschung in seinem Liquid Jungle Lab, einem Zentrum für Biologen und Ökologen aus aller Welt, das er 2003 in Panama gründete. Wie eine futuristische Akropolis thront das Anwesen im Dschungel-Nirwana hoch über dem Pazifik, nachts schillert es dank Leuchtdioden in den Wänden wie ein gigantischer, regenbogenfarbiger Diamant.

Bunt ist die Farbe des 21. Jahrhunderts, und Jean Pigozzi weiß sie wie kein zweiter zu mischen. Im September wird er LimoLand in Berlins Concept Store The Corner präsentieren. Schon jetzt freuen sich nicht nur Männer, sondern auch Frauen, dass sie "endlich ihre Bäuche herausstrecken dürfen".

Japancongo: Centre National d'Art Contemporain, Grenoble, bis 24. April

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